Ivan Strkalj Interview

Ivan Strkalj ist das nächste Eigengewächs der Stuttgarter Kickers, dass sich anschickt, den Weg in den Profibereich zu schaffen. Für ein Jahr spielte er für die U19 des Karlsruher SC – bis er im Sommer erfuhr, dass der KSC nicht mehr mit ihm plant. So wechselte er sehr kurzfristig zur U19 der Stuttgarter Kickers, dort wird er unter anderem von dem ehemaligen Profi Sasa Janic trainiert. Wie er seine Zeit beim KSC bewertet, wie es dann zu seinem schnellen Entschluss für die Kickers kam, und welche Erfahrungen er mit der kroatischen U19-Nationalmannschaft gemacht hat, besprach der 19-jährige Defensivallrounder mit Sven Bauer (Lapdog). Transfermarkt.de: Herr Strkalj, Sie entstammen der Jugend des Karlsruher SC. Wann haben Sie sich dem KSC angeschlossen?

Ivan Strkalj: Ich kam in der Saison 2009/2010 zum KSC, nachdem ich drei, vier Trainingseinheiten und ein Vorbereitungsspiel absolvierte. Auf Grund zufriedenstellender Leistungen wurde ich in den Kader aufgenommen.

Transfermarkt.de: Welche Erfahrungen und Erfolge haben Sie dort sammeln können?

Ivan Strkalj: (lacht) Leider habe ich sportlich gesehen keine Erfolge mit dem KSC gehabt, trotzdem konnte ich positive Erfahrungen sammeln. Ich konnte mich selbst einmal mehr steigern und habe gelernt, dass man stets mehr trainieren muss, um besser als die anderen zu sein. Außerdem habe ich mich in vielen guten und intensiven Trainingseinheiten weiterentwickeln können.

Transfermarkt.de: Der KSC ist für seine gute Jugendarbeit bekannt. Früher Scholl und Kahn, heute Spieler wie Aygünes und Zimmermann. Was macht diese Jugendarbeit aus, wie wird sich um die Jugendspieler gekümmert?

Ivan Strkalj: Ich denke, dass der Verein sich sehr intensiv um die Jugendarbeit kümmert und diese dort eine wichtige Rolle spielt. Der Verein baut auf seine eigene Jugend und nimmt eher eigene Spieler in den Profi-Bereich auf, anstatt Spieler von außen einzukaufen. Das macht den Charakter des KSC aus. Ich selbst kann sagen, dass jeder Spieler, der es zum KSC schafft, schon etwas geschafft hat und dort noch viel lernen kann.

Transfermarkt.de: Gibt es auch negative Erfahrungen, die Sie diesbezüglich gemacht haben?

Ivan Strkalj: (lacht) Abgesehen davon, dass es keine sportlichen Erfolge gab – mein Abgang.

Transfermarkt.de: Im Sommer haben Sie Karlsruhe zu verlassen. Warum?

Ivan Strkalj: Es war nicht meine Entscheidung, den KSC zu verlassen. Eigentlich war ich schon für die nächste Saison eingeplant, doch habe ich während der Sommerpause einen Anruf erhalten, in dem es hieß, dass der KSC ab sofort die Zusammenarbeit mit mir beendet. Leider habe ich bis heute nicht erfahren, warum.

Transfermarkt.de: Verpflichtet wurden Sie dann von der U19 der Stuttgarter Kickers. Wann gab es den ersten Kontakt und wie konnte man Sie von einem Wechsel überzeugen?

Ivan Strkalj: Den ersten Kontakt gab es schon 2009, als die Stuttgarter Kickers an mir interessiert waren. Damals bin ich dann aber doch zum KSC gewechselt. Ich denke, nach dem Abschied vom KSC waren die Stuttgarter Kickers die beste Station für mich, um mich persönlich wieder aufzubauen und auf mich aufmerksam zu machen. Ich wurde von Spielern, Trainern und der Leitung des Vereins herzlich aufgenommen. Vom ersten Moment an habe ich mich wohlgefühlt und gemerkt, dass die Trainer viel von mir halten. Das hat mich zum größten Teil vom Wechsel überzeugt.

Transfermarkt.de: Einer Ihrer Trainer ist Sasa Janic, ehemaliger Profi. Was können Sie von ihm lernen?

Ivan Strkalj: Ich habe und kann noch viel von von beiden Trainern lernen – sowohl von Sven Heyer als auch von Sasa Janic. Speziell zu Sasa Janic: Von ihm kann man was das Fußballerische angeht viel lernen und auch noch etwas abgucken. Das merkt man gerade, wenn er im Training mal bei den Abschlussspielen mitmacht. Er gibt alles und will selbstverständlich, auch wenn es nur ein Abschlussspiel im Training ist, immer gewinnen. Auch wenn er nicht mehr als Profi-Spieler tätig ist, sieht man, dass er immer noch etwas am Ball drauf hat. Es ist toll, Sasa Janic und Sven Heyer als Trainer zu haben.

Transfermarkt.de: Sie sind nun seit ein paar Monaten bei den Kickers. Wo sehen Sie die größten Unterschiede zwischen diesem und Ihrem ehemaligen Verein?

Ivan Strkalj: Den vielleicht größten Unterschied sehe ich in meinen Mitspielern. Bei meinem ehemaligen Verein hatte ich das Gefühl, dass die Spieler in erster Linie nur auf ihren eigenen Erfolg geschaut haben. Dadurch wurde das Team, das Auftreten als Mannschaft vernachlässigt und die Erfolge blieben aus. Bei den Kickers treten wir dagegen als ein Team auf, als eine Einheit. Wir achten darauf, dass wir als Team gut dastehen und so kommen auch die einzelnen Spieler und deren Qualitäten besser zum Vorschein. Das sieht man auch, wenn man auf die Tabelle schaut: Wir spielen oben mit und dadurch machen wir mehr auf uns aufmerksam.

Transfermarkt.de: Sie sollen helfen, den Sprung in die A-Jugend-Bundesliga zu schaffen. Momentan rangiert Ihre Mannschaft mit zwei Punkten Rückstand hinter dem ungeschlagenen Tabellenführer Waldhof Mannheim auf Platz zwei. Warum hat es noch nicht mit dem Platz an der Sonne geklappt?

Ivan Strkalj: Ich denke, wir sind sehr zufrieden mit dem momentanen Tabellenplatz, wollen aber natürlich Mitte Mai, am Ende der Saison, ganz oben stehen. Wir sind noch eine sehr junge Mannschaft mit vielen Spielern, die zum jungen Jahrgang gehören. Spielerisch und taktisch sind uns die Mannheimer kein bisschen überlegen, das hat man auch im Hinspiel gesehen. Zum Fußball gehört natürlich auch Glück und das hatte Waldhof eben gegen uns. Also hoffe ich, dass wir am letzten Spieltag in Mannheim das Glück auf unserer Seite haben und dann entscheiden wir die Meisterschaft für uns.

Transfermarkt.de: Was muss sich Ihrer Meinung nach verbessern und warum werden sich die Kickers schlussendlich durchsetzen?

Ivan Strkalj: Ändern muss sich nicht viel, wir müssen einfach an unsere Leistung aus der Hinrunde anknüpfen. Nach einer langen Siegesserie wurden wir vielleicht etwas zu sicher und übermütig, da kam die Niederlage gegen den direkten Konkurrenten gerade rechtzeitig. Jetzt sind wir wieder auf dem Boden der Tatsachen und wissen, wie wir mit so einer Situation umgehen müssen. Eigentlich steht uns nichts mehr im Weg.

Transfermarkt.de: Die Stuttgarter Kickers haben schon einige Talente hervorgebracht, aktuell macht vor allem Philip Türpitz von sich reden. Hatten Sie schon Kontakt zur ersten Mannschaft?

Ivan Strkalj: Ja, ich hatte auch schon Kontakt zur ersten Mannschaft. Bevor ich überhaupt bei den Kickers unterschrieben habe, musste ich erst noch zwei Trainingseinheiten bei den Herren absolvieren, damit sich diese auch ein Bild von mir machen können. Sie haben mitentschieden, ob ich bei den Kickers aufgenommen werde.

Transfermarkt.de: Ihr Vorteil ist, dass Sie variabel im Mittelfeld und in der Verteidigung einsetzbar sind. Welche ist Ihre Lieblingsposition und wer ist Ihr Vorbild?

Ivan Strkalj: Meine Lieblingsposition ist im zentralen Bereich, egal ob als Innenverteidiger oder als defensiver Mittelfeldspieler. Da fühle ich mich am wohlsten, weil ich das Spiel von da aus selbst lenken und die Bälle gut verteilen kann. Ein richtiges Vorbild habe ich nicht. Es gibt jedoch Spieler, die mir richtig gut gefallen. In der Verteidigung sind es zum Beispiel Nemanja Vidic oder Sergio Ramos. Für sie gibt es keinen verlorenen Zweikampf, sie geben immer alles und wenn es nach vorne geht oder bei Standards sind sie auch torgefährlich. Im Mittelfeld ist es auf jeden Fall Xavi Hernandez vom FC Barcelona. Er ist ein Genie, das Gehirn vom FC Barcelona, denn er spielt Bälle, von denen keiner denkt, dass es funktionieren wird und das konstant in jedem Spiel.

Transfermarkt.de: Wegen Ihrer guten Leistungen wurden Sie im Sommer für die U19 Kroatiens nominiert. Wie kam es dazu?

Ivan Strkalj: In der Sommerpause gönne ich mir auch mal eine Pause und fahre in meine Heimat nach Kroatien in den Urlaub. Ich habe dort einen Leichtathletiktrainer, der mit mir jeden Morgen neben dem Fußballplatz trainiert. Dort wurden Fußballtrainer auf mich aufmerksam und ich bekam im Sommer 2010 eine Einladung von NK Dinamo Zagreb. Für drei Wochen habe ich bei Dinamo Zagreb im Internat gelebt, trainiert und gespielt. Dadurch wurde die kroatische Nationalmannschaft auf mich aufmerksam und hat mich für die zwei Freundschaftsspiele gegen Bosnien nominiert.

Transfermarkt.de: Wie wurden Sie als Neuling aufgenommen und wie verliefen die beiden Partien, in denen Sie mitwirkten?

Ivan Strkalj: Klar ist es anfangs schwer, sich in einem neuen Umfeld einzufinden, vor allem die Spieler kennen sich alle aus der kroatischen Liga und ich war der einzige Neuling aus dem Ausland. Ein paar Spieler kannte ich noch von Dinamo Zagreb, mit denen ich dann auch etwas mehr Kontakt hatte. Die beiden Partien verliefen sehr gut – wenn man beide Spiele gewinnt (2:0 und 1:0 die Red.), dann ist das schon einmal sehr gut.

Transfermarkt.de: Welches Feedback bekamen Sie von den Trainern und wie sehen die Chancen auf weitere Nominierungen aus?

Ivan Strkalj: Der Trainer war auf jeden Fall sehr zufrieden. Ich habe keine Fehler gemacht und für die ersten Spiele war es eine souveräne Leistung. Natürlich denkt er auch, dass ich von Spiel zu Spiel lockerer und noch besser werde. Er sieht in mir viel Talent und einen guten Spieler. Die Chancen auf eine weitere Nominierung an sich sehen eigentlich gut aus. Jedoch ist es so, dass lieber Spieler aus der eigenen Liga in die Nationalmannschaft nominiert werden. Deshalb hatte ich auch das Angebot, in die kroatische Liga zu wechseln. Ich sehe meine Chancen aber in Deutschland besser und der Fußball hier ist viel professioneller. Deshalb habe ich mich entschieden, weiter in Deutschland zu spielen.

Transfermarkt.de: Sie sehen Sie Ihre Zukunft im kroatischen Dress. Gab es bei Ihnen eigentlich keine Überlegungen, für den DFB aufzulaufen?

Ivan Strkalj: Ich habe Deutschland viel zu verdanken, ich bin in diesem Land auch groß geworden und fühle mich hier sehr wohl. Jedoch habe ich seit ich klein bin immer gelernt, wo ich herkomme und wohin ich gehöre – und das ist nun mal Kroatien. Und wenn mal ein Länderspiel im Fernsehen läuft, bin ich auch immer mit ganzem Herzen für Kroatien dabei und feuere sie an. Deshalb sehe ich auch meine Zukunft im kroatischen Dress. Viele meiner Freunde haben mir schon die große Frage gestellt (lacht): Würdest du lieber für Deutschland oder für Kroatien spielen? Da gab es dann schon mal die Überlegungen, für wen ich spiele. Doch meine Antwort war schnell klar: Kroatien! Das liegt wohl auch daran, dass ich, obwohl ich in Deutschland geboren bin, nur die kroatische Staatsbürgerschaft besitze und ohne die deutsche kann ich auch nicht für Deutschland spielen.

Transfermarkt.de: Ihr Vertrag läuft im Sommer aus, erste Angebote liegen schon vor. Wovon machen Sie Ihre Zukunft in der kommenden Spielzeit abhängig?

Ivan Strkalj: Ich beschäftige mich noch nicht damit, was im Sommer passiert und wo es in Zukunft hingeht. Erstes Ziel momentan ist der Aufstieg mit den Stuttgarter Kickers in die A-Junioren-Bundesliga, und das zählt. Für alles andere ist die Sportagentur ONUK Sportsmanagement der richtige Ansprechpartner für die Vereine. Ich habe das Glück, dass sich eine erfahrene Sportagentur um mich kümmert. Fragen Sie doch die Agentur. Die verrät Ihnen vielleicht ein paar Dinge (lacht).

Transfermarkt.de: Welche generellen Ziele haben Sie im bezahlten Fußball?

Ivan Strkalj: Ich hatte meine Ziele ziemlich hoch gesetzt. Jeder kleine Junge will mal Fußball-Weltmeister oder berühmt und der beste Fußballer auf dieser Welt werden. Irgendwann, wenn man erwachsen wird, dann gibt man die Hoffnungen auf. Ganz anders ist das bei mir – ich träume immer noch von diesen Dingen (lacht).

Transfermarkt.de: Was machen Sie, wenn Sie nicht gerade Fußball spielen?

Ivan Strkalj: Bei mir dreht sich eigentlich fast alles nur um Fußball (lacht). Wenn ich kein Training im Verein habe, dann gehe ich mit Freunden Fußball spielen, oder ich schaue Fußball im Fernsehen. Wenn es kein Fußball im TV gibt, dann spiele ich halt eben auf der Playstation Fußball. Meine Eltern, meine Schwester, meine Freundin und meine Freunde sind das schon gewöhnt. Bei mir zählt nur der Fußball(lacht).

Transfermarkt.de: Bitte erzählen Sie ein Erlebnis aus Ihrer Fußballerkarriere.

Ivan Strkalj: Ein Erlebnis aus meiner Fußballkarriere… puuuh. Ich habe viel erlebt in 15 Jahren Fußball, aber das wohl Schönste war die Nominierung für die Nationalmannschaft. Ich denke, es gibt fast nichts Schöneres für einen Jungen, als im Dress seines Landes aufzulaufen. Wenn dann die Hymne losläuft, dann ist es der Höhepünkt, da habe sogar ich weiche Knie bekommen (lacht).

Transfermarkt.de: Wir bedanken uns recht herzlich für dieses Gespräch und wünschen Ihnen alles Gute für Ihre Zukunft.